ILS-Logo

Grundprinzipien

Mobilitätsmanagement gewinnt zunehmend an Bedeutung in der Verkehrspolitik. Seine Wurzeln liegen im amerikanischen "Transportation Demand Management", das aber vor allem Arbeitswege betrachtet. In Europa hat sich mittlerweile ein Ansatz entwickelt, der sehr flexibel eingesetzt wird. Dieser ist durch einige Grundprinzipien gekennzeichnet:

1. Mobilität steht im Vordergrund und nicht Verkehr

Der hohe Anteil an motorisiertem Individualverkehr ist trotz emissionsarmer Motoren weiter problematisch, u. a. durch Flächenverbrauch, Lärm und CO2-Emissionen. Verursacht werden diese Probleme zum Teil durch die traditionelle Fixierung der Verkehrspolitik auf eine Angebotsplanung, also die Schaffung immer neuer Angebote an Verkehrswegen und -mitteln, um den steigenden Verkehr zu bewältigen.

Mobilitätsmanagement setzt nicht erst bei der Abwicklung von Verkehrsbewegungen an, sondern unmittelbar bei den Mobilitätsbedürfnissen der einzelnen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer. Mobilität ist eine wichtige Voraussetzung, um Aktivitäten an entfernten Orten wahrzunehmen. Dazu bedarf es der Ortsveränderung (= Verkehr), die nicht per se auf ein bestimmtes Verkehrsmittel festgelegt sein muss.

Mobilitätsmanagement möchte Mobilität ermöglichen und zugleich die Nachfrage durch eine geschickte Organisation von Wegen und Wegeketten in verträgliche Bahnen lenken.

2. Nachhaltige, also effiziente, umwelt- und sozialverträgliche Mobilität als Ziel

Während in der Frühphase des Mobilitätsmanagements die Förderung des umweltfreundlichen Verkehrs im Mittelpunkt stand, so rücken in Zeiten knapper öffentlicher Mittel ökonomische Effizienzkriterien nach vorn.

Leitbild sind multimodale Kunden und Kundinnen, die Verkehrsmittel je nach Zweck und Ziel sinnvoll nutzen und kombiniern. Hierzu werden beim Mobilitätsmanagement entsprechende Dienstleistungen konzipiert, umgesetzt und vermarktet. Da Verkehrsverhalten nicht rational ist, sind auch die subjektiven und emotionalen Komponenten anzusprechen.

Wesentliche Ziele des Mobilitätsmanagements sind im Einzelnen:

  • Förderung einer effizienten Nutzung der bestehenden Verkehrssysteme
  • Beeinflussung von Einstellungen und Verhalten im Hinblick auf eine vermehrte Nutzung von verträglicheren Verkehrsmitteln (zu Fuß, Fahrrad, Bus und Bahn, Fahrgemeinschaften, Car-Sharing)
  • Erhöhung der Erreichbarkeit einzelner Standorte (z. B. Betriebe, Schulen, Handels- und Freizeiteinrichtungen)
  • Verbesserung der Information über verträgliche Mobilitätsoptionen
  • Verbesserung der Koordination und Integration zwischen den Verkehrsmitteln
  • Stärkung der Mobilitätschancen für alle durch einen einfachen, gleichberechtigten Zugang zu Verkehrsmitteln

3. Management als Schlüsselbegriff

Die Maßnahmen des Mobilitätsmanagements beruhen auf den Pfeilern Information, Kommunikation, Organisation und Koordination. Im Wesentlichen greift das Mobilitätsmanagement auf das bestehende Verkehrssystem zurück und versucht, die vorhandene Infrastruktur effizienter zu nutzen.

Mobilitätsmanagement wird dadurch zum kostensparenden Ansatz. Da es um Mobilitätsdienstleistungen geht, benötigt das Mobilitätsmanagement qualifiziertes Personal.

4. Ausgestaltung von Prozessen als wesentliches Element

Die Kooperation von öffentlicher Hand und Privaten im Sinne von Public-Private-Partnership birgt großes Potenzial. Dass Unternehmen, Schulen oder Veranstalter die Verantwortung für den von ihnen verursachten Verkehr übernehmen und an organisatorischen Lösungen mitarbeiten, ist noch lange kein Standard.

Die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) kennzeichnet Mobilitätsmanagement als einen strukturierten und kontinuierlichen Abstimmungs- und Entscheidungsprozess. Dieser führt die planungs- und umsetzungsrelevanten Institutionen enger zusammen, im Sinne einer integrierten Verkehrsplanung. An die Beteiligung der Nutzerinnen und Nutzer werden hohe Anforderungen gestellt, die aber die Akzeptanz von Maßnahmen wesentlich fördert. Um die integrativen Managementaufgaben zu leisten, haben sich einige spezifische Funktionen und Instrumente herausgebildet (z. B. Mobilitätsmanager/-in, Mobilitätsberater/-in).

Mobilitätsmanagement ist als eigenständiger Ansatz nicht allein in der Lage, Verkehrsprobleme zu bewältigen. Es ist ein zentraler Baustein einer nachhaltigen Verkehrspolitik. Erst in Kombination mit den geeigneten ordnungs- und preispolitischen Maßnahmen, Infrastrukturkonzepten oder technischen Entwicklungen wird daraus eine zielführende integrative Verkehrspolitik.