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Rahmenbedingungen

Mobilitätsmanagement wird vor allem auf der lokalen Ebene praktiziert - nahe an den Nutzerinnen und Nutzern.

Dabei spielen bestimmte Erfolgsfaktoren eine große Rolle, wie etwa belastbare Kooperationen oder qualifiziertes Personal. Daneben gibt es jedoch bedeutende Bedingungen, welche die handelnden Personen kaum beeinflussen können.

Dies sind Rahmenbedingungen auf übergeordneter – nationaler oder europäischer – Ebene, die sowohl fördernd als auch hemmend wirken können.

Dazu zwei Beispiele:

Die highway agency, die zuständig für Fernstraßen und Autobahnen in England war, beschäftigte ein eigenes Mobilitätsmanagementteam. Die Agency war vor allem bei gewerblichen Erweiterungen und Neubauten, die Auswirkungen auf die von ihr gemanagten Straßenkapazitäten haben, bereits in der Planungsphase beteiligt. Sie konnte Einfluss auf das Baugenehmigungsverfahren nehmen und die Erstellung und Umsetzung von Mobilitätsplänen einfordern. Die Auswahl eines verkehrsvermeidenden Standortes, die Minderung der negativen Verkehrsauswirkungen durch Mobilitätskonzepte und das Management des Zugangs zu den Fernstraßen hatte klare Priorität vor einem Ausbau der Infrastruktur.

In Deutschland setzt oftmals das Steuerrecht den Rahmen zur Förderung nachhaltiger Mobilität im Berufsverkehr. Dabei kann die steuerliche Behandlung von betrieblichen Anreizen auch hemmend wirken wie zum Beispiel, dass Zuschüsse des Arbeitgebers zum Job-Ticket, als geldwerter Vorteil versteuert werden müssen, wenn Sie über einen bestimmten Freibetrag hinausgehen.

Das EU-Projekt MOST hat die Ausgestaltung von Rahmenbedingungen für Mobilitätsmanagement europaweit untersucht. Aus der Analyse ist das P.A.I.R.-Schema hervorgegangen, das die einzelnen Empfehlungen in eine konsistente Struktur bringt.

Dabei gibt es grundsätzliche Voraussetzungen, ohne die Mobilitätsmanagement schwierig wäre. Dazu gehören ein gutes Angebot an Mobilitätsalternativen, das übergeordnete Ziel einer nachhaltigen Mobilität und die Entwicklung einer "Mobilitätskultur", die positive Einstellungen zu den Alternativen zum (einzeln besetzten) Auto beinhaltet (z. B. Fahrradkultur).

Ein besonderes Augenmerk gilt zudem dem Abbau von Bedingungen, die dem Mobilitätsmanagement, z. T. ungewollt, entgegen wirken, also die "inversen Maßnahmen". Dazu gehören z. B. ein umfassender Straßenneubau, überhöhte Stellplatzschlüssel oder ein Steuersystem, das finanzielle Anreize im betrieblichen Mobilitätsmanagement erschwert.

Deutschland besitzt gute Voraussetzungen für Mobilitätsmanagement durch den hohen Ausbaustandard bei den Verkehrsmittelalternativen. Auch sind die Integration der Verkehrsmittel und verkehrspolitischen Instrumente sowie die technologische Entwicklung vorangeschritten. Ein dringender Handlungsbedarf besteht im Bereich der Politik und der Strukturen. So wird Mobilitätsmanagement bisher selten als eigenständiger und gleichberechtigter Ansatz praktiziert und in Programmen verankert. Es fehlt an klaren Zuständigkeiten und Finanzierungsinstrumenten. Die kooperativen Elemente im Sinne der Public-Private-Partnership sind ausbaufähig, genau wie die Bezüge zu Feldern außerhalb des Verkehrssektors.

Fazit

Mobilitätsmanagement ist aus verkehrspolitischen Diskussionen nicht mehr wegzudenken, in der Praxis aber immer noch kein Standard. Ein wichtiger Grundstein wurde durch das Aktionsprogramm "effizient mobil", das vom Bundesumweltministerium finanziert und durch die Deutsche Energie-Agentur GmbH (dena) koordiniert wurde, gelegt. In bundesweit 15 Regionen wurden im Rahmen des Projektes koordinierte Netzwerke aufgebaut und diese auch überregional vernetzt.

Rahmenbedingungen

  • Explizite Einbindung von Mobilitätsmanagement in die wesentlichen Programme und Pläne
  • Begründung für ein Mobilitätsmanagement nach der vorherrschenden gesellschaftlichen Diskussion (z. B. ökonomisch, umweltbezogen)
  • Abstimmung der Verantwortlichkeiten zwischen Öffentlichen und Privaten sowie auf den einzelnen staatlichen Ebenen (Kommune, Region, Land, Bund, EU)
  • Klare Zuordnung von Zuständigkeiten für Mobilitätsmanagement bei den aktiven Institutionen (personelle Verankerung, Promotoren)
  • Ein auf Kooperation und Kommunikation ausgerichtetes Steuerungsmodell für das Handeln der öffentlichen Verwaltungen
  • Ein konsistenter Ansatz zwischen den einzelnen Ebenen und Ressorts
  • Mobilitätsmanagement als interdisziplinäre sozial-technische Aufgabe: umfassendere Qualifikation der Akteure statt rein technischen Fachwissens
  • Eigenständige Organisationsformen für Mobilitätsmanagement (falls Einbettung in die existierenden Institutionen nicht gelingt)
  • Europäischer Austausch zum gegenseitigen Lernen
  • Verkehrsmittelübergreifender Charakter
  • Kombination von "Pull-" und "Push-Maßnahmen", von "weichen" und "harten" Maßnahmen der Verkehrspolitik
  • Enge Verbindung mit den technischen Lösungen der Telematik
  • Frühe Integration von Mobilitätsmanagement in die Siedlungsentwicklung und räumliche Planung
  • Hohes Potenzial durch Kombination von Mobilitätsmanagement mit Politikfeldern außerhalb des Verkehrs, so z.B. Bildung, Gesundheit, Umwelt, Soziales, Wirtschaftsförderung.
  • Forschung und Entwicklung für Mobilitätsmanagement
  • Sicherstellung der langfristigen Finanzierung: Aufnahme von Mobilitätsmanagement in die relevanten Förderprogramme von Bund, Ländern und/oder Kommunen sowie die Mobilisierung privaten Kapitals
  • Informationen zum Mobilitätsmanagement in Form von Leitfäden, Beratung oder guten Beispielen
  • Qualitätsstandards und Qualitätsmanagement zur Sicherung und Steigerung der Dienstleistungsqualität und Kosteneffizienz
  • Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen (ohne direkte gesetzliche Verpflichtung z. B. für Unternehmen)